Ankommen – Kolumbien (2)

Bogota ist eine tolle Stadt. Lebendig, interessant, aufgeschlossen und aufgeräumter als ich erwartet hatte. Trotzdem fällt es mir schwer, wirklich anzukommen. 8,5 Monate vor sich zu haben ist ein ganz neues Gefühl. Eindrücke aus der Hauptstadt Kolumbiens.

Alle Ankunft ist schwierig, vor allem, wenn man eine lange Zeit vor sich hat. Seit ich hier angekommen bin, frage ich mich, warum ich doch immer wieder schlucken muss, wenn ich an meine Zeit hier denke. Bisher wurde mir nie mulmig, wenn es darum ging, unterwegs zu sein. Allerdings war das Ende der Reise immer in greifbarer Nähe. Das ist es jetzt eher weniger, zwischen mir und Zuhause liegen über 8 Monate, von denen ich mindestens 4 in Baranquilla verbringen werde, eine Stadt die mir absolut fremd ist.

Doch genug der Gefühlsduselei: Kolumbien und vor allem die Hauptstadt Bogota stehen auf dem Programm. Mein erster Eindruck in diesem fremden Land: Durchweg positiv. James, ein „Bogotano“, den ich auf meiner letzten Reise kennen gelernt habe, nimmt mich mehr als großzügig bei sich auf. Nachdem er mich vom Flughafen abgeholt hat, stellt er mich dem Portero vor, drückt mir einen Hausschlüssel in die Hand, erklärt mir wie ich ins Zentrum komme und überlässt mir alles andere. Dafür bin ich mehr als dankbar.

Bogota Zentrum – La Carrera Septima

Natürlich ist der Verkehr in Bogota die Hölle. Trotz der Reglung, dass eine Hälfte aller Autos nur an geraden und die zweite an ungerade Tagen fahren darf, schieben sich zu den Stoßzeiten unzählbare Massen durch die Straßen. James meint: „Die meisten haben sich einfach ein zweites Auto gekauft.“ Also diejenigen, die sich ein Auto leisten können. Doch der Verkehr geht mich glücklicherweise nichts an. Der „Transmillenio“, eine Art überirdische Metro, ist nicht nur immer voll, sondern auch relativ schnell und effizient. Die 13 Kilometer ins Zentrum schafft er jedenfalls in etwas mehr als einer halben Stunde. Man sieht: Bogota ist riesig, wenn man in Augsburg 13 Kilometer in eine Richtung fährt ist man definitiv schon weit draußen – in Diedorf zum Beispiel.

Im Stadtgebiet Bogotas lebten 2005 über 6 Millionen Menschen, mittlerweile sind es sicherlich deutlich mehr. Vor allem am Wochenende versammeln sich augenscheinlich alle im Stadtzentrum. Interessant ist, dass die Verwaltung jeden Sonntag einige der Hauptverkehrsadern sperrt. Jogger, Radler und Skater tummeln sich dann auf den teilweise dreispurigen Straßen. Allerdings nehmen die Menschen Massen auch skurrile Dimensionen an. Auf dem Weg durch die Carrera Septima – die Haupteinkaufsstraße – kommt man an unzähligen Straßenkünstlern und Straßenverkäufern, einigen selbst gebastelten Roulette Tischen und hin und wieder sogar an Meerschweinchenrennen vorbei. Das Beste sind allerdings die kleinen Wagen, von denen frische Ananas, Wassermelonen oder Mangos verkauft werden.

Doch Bogota hat noch viel mehr zu bieten als den Trubel auf der Carrera Septima. Vor allem Kulturfans kommen auf ihre Kosten. Das „Museo del Oro“ kostet gerademal einen Obolus von 1,5 € und zeigt viele original Artefakte aus der Zeit der Ureinwohner, der Muiscas. Schnell wird einem hier klar, warum die Spanier auf der Suche nach „El Dorado“ hier nach Kolumbien kamen. Ein weiteres Highlight ist das „Museo Botero.“ Alle Werke die hier ausgestellt werden, sind entweder von dem kolumbianischen Meister Fernando Botero selbst, oder entstammen seiner Sammlung. Darunter Europäer wie Picasso oder Max Ernst. Museen gibt es in Bogota wie Sand am Meer, ich habe es aber leider nur noch in das „Museo de la Policia Nacional“ geschafft. Hier wird man von einem jungen Rekruten durch die beeindruckenden Räume des Hauptsitzes der kolumbianischen Polizei geführt. Das interessanteste dabei: Der Kampf gegen die Narcotraficantes wird hier sehr anschaulich und detailliert präsentiert. Sogar einige Originalartefakte von Pablo Escobar gibt es zu sehen.

„La Candelaria“ – Kulturelles Zentrum der Stadt

All die Museen befinden sich in dem absolut sehenswerten Stadtteil „La Candelaria.“ Hier sind viele Kolonialbauten erhalten, es wimmelt von Hostels, Restaurants und Bars und es ist relativ sicher, da in der Nähe auch der Präsident residiert. Wer sich also beim Anblick von Soldaten mit Sturmgewehren nicht eher bedroht fühlt – so wie ich – ist hier definitiv gut aufgehoben. In „La Candelaria“ ist es im übrigen Pflicht abends das Nationalgetränk „Chicha“ zu probieren. Die Süße Brühe aus Gewürzen, Mais und Alkohol ist nicht nur reichlich und günstig, sondern auch wirklich schmackhaft. Zusätzlich noch eine Flasche „Club Colombia“ in einer der hübschen kleinen Bars mit Bruchbudenflair und ein erfolgreicher Abend kann beginnen.

Heute geht es weiter nach Baranquilla. 20 Stunden im Bus, zum Glück aber über Nacht. Für die ersten paar Tage darf ich in einem Studentenwohnheim schlafen. Danach muss ich mich entweder geschlagen geben und in eines der zwar luxuriösen, aber, für ein Zimmer, das ich mir mit drei Anderen teile, nicht wirklich günstigen Studenten – Hostels ziehen, oder ich finde doch noch ein WG Zimmer. Irgendwas geht immer.

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