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Auf ausgetretenen Pfaden – Der Süden Perus

Peru ist ein touristischer Hotspot. Vor allem im Süden des Landes, in Orten wie Cusco oder Puno, ist extrem viel los. Ein wenig fehlt hier das Gefühl, Neues zu entdecken, das Kolumbien zu einer so unvergesslichen Erfahrung gemacht hat.

Über Lima will ich mich hier jetzt nicht auslassen. Eine sehr interessante Stadt, die ihren Titel „Stadt der Traurigkeit“ aber auch verdient hat. Als ich ankam, war Winter in Lima. Das bedeutet hier aber weder Schnee, noch Regen oder Sturm.  Vielmehr nimmt der Winter Perus Hauptstadt alle Farben. Von morgens bis abends bleibt der Himmel grau und die Sonne ist so gut wie nie zu sehen. Alles wirkt dunkler und weniger strahlend, als es sein könnte. Drei Orte in Lima will ich trotzdem kurz empfehlen. Das Museo Larco, mit seiner riesigen Sammlung an indigener Kunst und einigen sehr expliziten Töpfen, ist wirklich interessant. Genauso das MALI (clever), das städtische Kunstmuseum, das ungefähr da ansetzt, wo die Larco Sammlung aufhört: Bei der Ankunft Francisco Pizarros 1532. Außerdem sollte man unbedingt dem „Parque de los fuentes“ einen Besuch abstatten. Die Wasserspiele dort sind wunderschön anzusehen und beeindruckend choreografiert.

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Oase bei Ica – Huacachina

Wer genug von der großen Stadt hat, macht sich, wie alle, Richtung Süden auf. Ica oder Pisco sind beliebte Ziele. Wir entschieden uns für Huacachina. Die Oase in der Wüste bei Ica ist von hohen Sanddünen eingerahmt, die allesamt einen unglaublichen Ausblick bieten. Nummer Eins Attraktion hier: Sandboarding. Jeden Abend machen sich röhrende Buggys über die Dünen auf, um Touristen an die angeblich geeignetsten Stellen zu bringen. Die Fahrt in einem der Fahrzeuge ist wie eine Achterbahnfahrt. Auf jeden Fall wirkt es so, wenn man entspannt auf einer hohen Düne sitzt, auf den unglaublichen Sonnenuntergang wartet und von unten Schreie hört, die an einen Freizeitpark erinnern. Die Nacht auf einer Düne abzuwarten, ist für mich das schönste, was man in Huacachina machen kann. Einmal liehen wir uns Sandboards von einem älteren Herrn im Dorf und probierten ein bisschen auf der Anhöhe über unserem höchst luxuriösen Camp. Ein kurzes und eher anstrengendes Vergnügen, denn um wirklich die Kontrolle über das Brett zu behalten, bräuchte man, wie beim Snowboard, eine Richtige Bindung und feste Schuhe. Ein paar Klettverschlüsse reichen einfach nicht aus. Die Beine fliegen zu lassen, im Sand abwärts zu laufen und zu springen macht sowieso deutlich mehr Spaß.

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Cusco und Machu Pichu

Die Route vieler Peru Reisender führt von hier aus über Arequipa, Puno und schließlich nach Cusco. Vorteile: Die Busfahrten sind nicht übermäßig lang und man kann sich langsam an die Höhe in Cusco gewöhnen. Highlight der Reise ist dann Machu Pichu. Da wir am Ende unseres Trips aber in Buenos Aires sein müssen und nicht wieder nach Lima zurückkehren, fuhren wir mit „Cruz del Sur“ von Ica direkt in die heilige Stadt der Inka.

Mit der luxuriösen Busgesellschaft waren die 17 Stunden Reise auch überraschend komfortabel. Wer nach Cusco kommt, hat meisten nur Machu Pichu im Kopf. Verständlich, wird der Stadt aber nicht gerecht. Auch in der Altstadt und der Umgebung gibt es viel zu sehen und zu entdecken. Man sollte sich außerdem von dem Irrglauben verabschieden, dass es von dort nur noch ein Katzensprung bis zur weltberühmten Ruine ist. Wer den unglaublich überteuerten Zug nach Aguas Calientes nicht nehmen möchte, muss sich bis zu sieben Stunden in einen Kleinbus quetschen. Die Busse fahren nur bis zu einem Wasserkraftwerk etwa 12km von Machu Pichu Pueblo – wie sich der Ort unterhalb auch gerne nennt – entfernt. Den Rest muss man entweder entlang der Schienen laufen, oder man nimmt den etwas billigeren Zug von Hydroelectrica nach Aguas Calientes.

Aber zurück zu Cusco. Es gibt zwar viel zu sehen und es ist auch wunderschön, einfach durch die engen Gassen des Künstlerviertels San Blas oder der Altstadt zu streifen, doch der Tourismusstandort ist immer und überall zu spüren. Fast alle Kirchen kosten beträchtlich Eintritt und auch die Ruinen um Cusco und im heiligen Tal haben definitiv ihren Preis. Sogar an den Übernachtungen merkt man, wie selbstverständlich Touristen hier sind. Trotzdem gibt es viele kleine, nette Restaurant und Cafés, in denen man günstiger und trotzdem lecker essen kann.

Doch jetzt zu Machu Pichu. Eigentlich wollten wir für knapp 190 Dollar den Salkantay Treck gehen. Normalerweise dauert die Wanderung vier Nächte, wer weniger Zeit hat kann aber auf drei verkürzen. Im Preis ist nicht nur Vollpension, Tragetiere, Guide und Zelt inklusive, sondern auch der Eintritt in die Ruine (40 USD, 20 USD für Studenten mit ISIC – Karte). Es ist von Vorteil körperlich fit und akklimatisiert zu sein. Das wäre soweit auch kein Problem gewesen, aber leider wurde ich am Tag vor der Abfahrt krank. In der Hoffnung, schnell wieder gesund zu werden, wollte ich den ersten Tag trotzdem ausprobieren. Schön dumm. Die Wanderungen überstand ich zwar noch einigermaßen, aber am Abend schlotterte ich vor Fieber im Zelt und konnte mich nur mit Ibu und einer heißen Suppe wieder einigermaßen beruhigen. Am zweiten Tag auf dem Salkantay Treck geht es lange und steil aufwärts und jegliches Krankenhaus oder Dorf ist besonders weit entfernt. Deshalb musste ich umkehren. Zum Glück fährt vom ersten Camp täglich ein Minibus wieder abwärts. Jeden Tag müssen kranke Wanderer, oder solche, die sich überschätzt haben zurück Richtung Cusco fahren.

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Natürlich wollten wir uns Machu Pichu trotzdem nicht entgehen lassen. Ich fühlte mich auch schon deutlich besser, nach einer ordentlichen Mütze schlaf in Cusco und war wieder voller Tatendrang. Zum Glück mussten wir nur ein Busticket nach Hydroelectrica kaufen und konnte von hier aus den Rest der schon gezahlten Tour wahrnehmen. Die Busfahrt nach Hydro dauert 7 zermürbend kurvige Stunden und man kommt körperlich schon ziemlich kaputt an, muss dann aber noch knapp drei Stunden nach Aguas Calientes laufen. Der Ort an sich ist keine Schönheit, aber in Ordnung um die Nacht zu verbringen.

Eine sehr kurze Nacht, denn die Pforten zu Machu Pichu öffnen sich schon um fünf Uhr morgens. Frierend und im Regen standen wir also ab 4:30 in der Dunkelheit Schlange, nur um dann unzählige Stufen bis zum Eingang der Ruine aufzusteigen. Ungefähr eine Stunde dauert es normalerweise bis nach oben, es fühlt sich aber deutlich länger an. Der Aufstieg mit den Massen ist extrem nervenaufreibend. Immer wieder muss man stehen bleiben, weil sich Pulks gebildet haben, oder sich die Karawane an einer Stelle staut. Man fühlt sich gehetzt von den Touristen hinter einem und genervt von dem langsam trabenden Kollegen eine Stufe weiter. Im Ganzen ist die Wanderung hier alles andere als angenehm.

Als wir schließlich in der Ruine angekommen waren, mussten wir uns direkt an den Weg auf den Machu Pichu Mountain machen. Unser Eintritt war nämlich nur zwischen sieben und acht gültig. Also mehr Höhenmeter und mehr Stufen. Der Aufstieg auf den Gipfel, der hoch über Ruine aufragt, ist etwas angenehmer. Weniger Leute und mehr Platz sich auszuweichen. Trotzdem verlangte er nach den letzten Kraftreserven und zu guter Letzt wurden wir nicht einmal mit dem Postkartenblick über die Ruine und den kleineren Wayna Pichu belohnt, da in den Dschungeltälern so früh morgens noch immer die Wolken hängen.

Nach dem Abstieg blieb uns dann noch eine knappe Stunde, Machu Pichu zu erkunden. Im Vorbeigehen konnte ich aufschnappen, dass dreiviertel des Areals und der Gebäude genauso vorgefunden wurden, wie sie heute der ganzen Welt präsentiert werden. Nur ein kleiner Teil ist also restauriert. Außerdem war Machu Pichu ein sehr spiritueller Ort für die indigene Bevölkerung, die den Inka verehrte. Darauf weisen die Überreste verschiedener Tempel hin. Ein Problem in der Ruine ist allerdings, dass es nirgendwo Tafeln oder Schilder gibt, die erklären, wo man gerade entlangläuft. Somit ist es ohne Guide ziemlich schwierig, irgendetwas über die alten Mauern zu erfahren. Einiges konnte ich aber trotzdem aufschnappen. Zur Klarstellung: Der Inka war eine einzige Person. Der Gott – König der indigenen könnte man sagen und erst die Spanier nannten die Bevölkerung „Inkas“. Ein Missverständnis. Außerdem wird vermutet, dass zur Hochzeit aus dem ganzen Imperium junge Menschen in die Stadt kamen, um zu lernen. Einer der Guides betont: „Machu Pichu könnte man auch als eine Art Universität bezeichnen.“

Gegen 12:30 mussten wir schon wieder absteigen, um rechtzeitig in Hydro anzukommen. Insgesamt waren wir fast 10 Stunden am Stück zu Fuß unterwegs. Mit Aufstieg, Abstieg und dem Weg dorthin, wo unser Bus abfahren sollte, kein Wunder. Die Betonung liegt hier auf „Sollte“, denn wir wurden stehengelassen und haben es nur der Gnade und Geschwindigkeit eines Taxifahrers zu verdanken, dass wir die Busse nach Cusco überholen und schließlich zusteigen konnten. Zusätzliche 40 Soles hat uns der Spaß pro Nase gekostet, die wir uns am nächsten Tag nicht einmal zurückholen konnten, da die Firma, über die wir gebucht hatten, nicht geöffnet war.

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Ich kann nicht genau sagen, ob sich Machu Pichu wirklich gelohnt hat. Sicherlich: Es ist beeindruckend die Ruine, von der man schon so viele Bilder gesehen hat – eines der sieben neuen Weltwunder – mit eigenen Augen zu sehen. Trotzdem ist es stressig, überlaufen und teuer. Man sollte sich in jedem Fall genügend Zeit nehmen und wenn möglich einen der Trecks machen, um vielleicht ein bisschen Einsamkeit und Landschaft zu erleben, bevor man sich ins Gewühl um Aguas Calientes und Machu Pichu stürzt.

Puno und Titicacasee

Für viele geht es von Cusco aus weiter nach Puno, an den „Lago Titicaca“. So auch für uns und nach annehmbaren sechs Stunden Fahrt, kamen wir in der Stadt am See an. Außer ein paar Miradores (Aussichtspunkten) und einigen Restaurants gibt es hier nicht wirklich viel zu sehen. Das Highlight sind in meinen Augen die Uros Inseln. Die schwimmenden Schilfkonstruktionen und die Menschen, die auf ihnen leben, zu besuchen lohnt sich in jeden Fall. Auf eigenen Faust erkunden ist hier allerdings nicht möglich. Jedes Ausflugsschiff wird einer der unzähligen, kleinen Inseln zugewiesen und jedes Inseloberhaupt spielt hier schließlich das gleiche Programm ab. Kurz wird erklärt, wie eine schwimmende Insel entsteht und dann geht es ans Kohle scheffeln. Unter dem Vorwand, den Gästen ihre Behausungen zeigen zu wollen, zerren die einzelnen Familien die Touristen in die Schilfhütten. Dann platzieren sich die Gastgeber geschickt vor dem Ausgang und präsentieren ihre Handarbeiten zu horrenden Preisen. Natürlich muss man nicht kaufen, die Masche funktioniert aber trotzdem ziemlich gut.

Jedem, der nach Puno kommt, würde ich den Nachmittagsausflug auf die Uros Inseln empfehlen. Es dauert nur knapp 20 Minuten die Gemeinde zu erreichen und am Nachmittag ist nicht mehr so viel los, denn die meisten kommen hier am Morgen vorbei und fahren anschließend weiter auf die „Isla Takile.“ Wir taten uns auch diesen Ausflug an und landeten vor der Takile erstmal wieder auf den Uros Inseln, obwohl uns am Hafen ein Direktboot versprochen worden war. Die Fahrt zu der natürlichen Insel im größten Bereich des Lago Titicaca dauert etwas mehr als zwei Stunden, hat zwar tolle Ausblicke zu bieten, ist aber trotzdem ermüdend. Angekommen dauert der Spaziergang über die Insel, exklusive vorgeplantes Mittagessen, nur knapp 30 Minuten und lohnt sich somit nicht wirklich. Von Einsamkeit ganz zu schweigen, da sich auch hier wieder die Massen im Gänsemarsch über die Insel schieben.

Empfehlung: Der Nachmittagstrip zu den Uros Inseln lohnt sich in jedem Fall. Die schwimmende Gemeinde ist sehr sehenswert und der Gedanke, dass sich unter einem noch 12 Meter Wasser befinden, ist irgendwie beeindruckend. Den Ausflug auf die Takile Insel kann man sich jedoch sparen. Im Pulk über das Eiland zu laufen und sich von der Gemeindeverwaltung eines der Restaurants zuweisen zu lassen, in denen überall genau dasselbe serviert wird, hat wenig Entdeckercharme. Lieber nutzt man den Tag, um sich in einem der umliegenden Dörfer, am besten auf einer der Titicaca – Halbinseln, eine nette Bleibe zu suchen. Von Puno aus erreicht man einige interessante Orte mit dem Bus. Viele einsame Wanderwege, abgeschiedene Dörfer und schöne, familiäre Unterkünfte suggeriert auf jeden Fall der Lonely Planet. Alternativ kann man eine sehr einfache Nacht bei einer Familie auf der „Isla Amantani“ verbringen. Eine sicherlich sehr authentische Erfahrung.

Bilder folgen…sorry.

Die Menschenmassen und der kompromisslos organisierte Tourismus, vor allem in Cusco und Puno, verderben einem die Reise zwar nicht unbedingt, nehmen ihr aber Einiges an Magie. Klar, jeder will diese weltberühmten und wunderschönen Orte sehen, man sollte sich aber definitiv etwas mehr Zeit nehmen und die Gegenden abseits der ausgetretenen Pfade erkunden. In Arequipa hatten wir schließlich genug von den vielen Menschen und beschlossen auf eigene Faust den „Canyon de Colca“ zu erkunden. Drei Nächte waren wir in der Schlucht unterwegs und es hat sich absolut gelohnt, das ganze ohne Tour aus der weißen Stadt anzugehen. Für mehr Infos gibt es dazu einen weiteren Blog. Im Grunde ist es überall möglich den Massen zu entkommen. Es erfordert nur etwas mehr Zeit und Planung. Vor allem Letzteres entspricht nicht wirklich meinem Reisestil.