Ciudad Perdida oder der Weg ist das Ziel – Kolumbien (5)

Die „Ciudad Perdida“ mitten in der Sierra Nevada de Santa Marta wird auch als das Machu Pichu Kolumbiens bezeichnet. Allerdings gibt es hier keine Straße, keinen Zug und auch keine Seilbahn. Die einzige Möglichkeit, die über 1500 Jahre alte Tayrona – Stadt zu erreichen, ist zu Fuß. Letztes Wocheneden waren wir hier unterwegs.

Vier Tage dauert die Treck zur „Ciudad Perdida“ und ist nur zusammen mit einem lokalen Führer begehbar. In Santa Marta kann man die Tour bei verschiedenen Anbietern buchen. All inclusive kostet zum aktuellen Wechselkurs in etwa 180 €. Diesen Teil der Sierra Nevada de Santa Marta auf eigene Faust zu erkunden ist nicht möglich. Das Gebiet gehört den Cogis, den Indigenen, die schon seit Jahrhunderten in der Region leben. Die verschiedenen Expeditionen bezahlen pro Kopf dafür, dass sie Touristen durch den Dschungel führen dürfen.

Der Treck an sich ist machbar, allerdings um einiges anstrengender, als die eher harmlosen Beschreibungen in Reiseführern und auf den Homepages der Agenturen vermuten lassen. Vor allem die Hitze und das ständige Auf und Ab machen vielen Touristen zu schaffen. Sich ohne Wandererfahrung auf den Weg zu machen, ist also nicht wirklich empfehlenswert. Allerdings trifft hier ein altes Sprichwort ganz besonders zu: Der Weg ist das Ziel.

Durch den Dschungel

Die Etappe am Nachmittag des ersten Tages ist wohl die Unangenehmste. In praller Sonne geht es auf breiten Wegen aufwärts. Immer wieder knattern Motorräder an der Gruppe vorbei und wirbeln den Trockenen Sand auf. Manchmal fällt das Atmen schwer. Auf dem Weg kommen wir mit unserem Führer Camacho ins Gespräch. Er kommt aus der Gegend und erzählt, wie sich der Treck zur verlorenen Stadt in den letzten Jahren verändert hat. Seit zwei Jahren scheint das Geschäft zu boomen. Täglich treten bis zu 80 Touristen den Treck an. Ein wenig später wollen wir von ihm wissen, ob die vielen Touristen der Region denn schaden, die Natur zerstören oder Müll hinterlassen. Er wiederspricht: „Bisher hatten die Bauern hier nur die Möglichkeit, ihr Land zu bewirtschaften um zu überleben. Normalerweise wurden hierfür Flächen brandgerodet und das macht die Natur kaputt.“ Mittlerweile beteiligt sich ein Großteil der Einheimischen an der Versorgung, Verpflegung und Bewirtung der Wanderer. Eine gute Alternative.

Am zweiten Tag beginnt der wirklich schöne Teil der Strecke. Durch den Dschungel und über Felsen geht es aufwärts. Die Sonne brennt unter den Bäumen weniger unbarmherzig und das einzige Fortbewegungsmittel, das einem auf dem Weg noch begegnet, sind die Maultiere, die die Verpflegung für die Gäste transportieren. Am höchsten Punkt jeder Etappe eröffnet sich ein unglaublicher Blick über die bewaldeten Berge. Anders als am ersten Tag, ist der Wald hier im Gebiet der Indigenen Großteils unberührt.

Am dritten Tag, nachdem wir 1200 Stufen hochgeklettert sind, erreichen wir früh am Morgen die „Ciudad Perdida“. Das Stadtgebiet der über 1500 Jahre alten Tayrona – Siedlung ist etwas mehr als 100 Hektar groß. Allerdings sind nur drei Km aufwärts wirklich erforscht und nur 1,5 davon für Touristen zugänglich. Der Rest der Stadt ist den indigenen Stämmen der Region vorbehalten. Trotzdem sind die bauten mehr als beeindruckend. Die Stadt besteht aus vielen kreisrunden Plateaus mitten im Dschungel. Hier standen die ebenfalls runden Behausungen der Tayrona. Es war Brauch, das verstorbene Familienoberhaupt zusammen mit seinem weltlichen Besitz (Gold, Edelsteine) in der Mitte des Hauses zu begraben, erklärt Führer Camacho.

Entdeckung der „Green Hell“

Diese Tradition ist auch Teil der traurigen Entdeckungsgeschichte der „Ciudad Perdida“. Während der Unruhen der 70er Jahre kamen viele Menschen in die Gegend um Santa Marta, da man sich hier noch relativ sicher fühlen durfte. Unter ihnen einige Grabräuber, die von den Gewohnheiten der Ureinwohner wussten und im Dschungel nach verlassenen Siedlungen suchten. Zwei Familien fanden die verlorene Stadt auf diese Weise. Eine der beiden Sippen überlebte dieses Zusammentreffen nicht. Das Massaker wurde von einem Außenstehenden angezeigt und so erfuhr der kolumbianische Staat von der verlorenen Stadt.

Sechs Jahre lang waren Archäologen und andere Experten damit beschäftigt, die Schätze der Stadt zu bergen. Ein Großteil der Exponate, die im Museo der Oro in Bogotá zu sehen sind, wurde hier gefunden. Danach wurde die „Green Hell“, wie die Stadt damals auch genannt wurde, für Besucher hergerichtet und 1982 startete die erste offizielle Tour.

Begegnung mit dem Mamo

Auf dem Weg zur verlorenen Stadt kommt man automatisch mit der indigenen Kultur in Berührung. Immer wieder begegnet man den weiß gekleideten Gestalten auf dem Pfad und Kinder in grauen Lumpen betteln am Wegesrand nach Süßigkeiten. Unsere Gruppe hatte das Glück, in der „Ciudad Perdida“ den „Mamo“, den spirituellen Führer der Cogis, zu treffen. Normalerweise ist Mamo Romaldo ein eher schweigsamer Mensch erklärt uns Camacho. Es kommt nicht oft vor, dass er sich mit Touristen unterhält, doch wir dürfen ihm sogar einige Fragen stellen. Am selben Abend nimmt sich Camacho Zeit, uns die Kultur der Cogis näher zu erklären. Hierüber erscheint hoffentlich noch dieses Wochenende ein kurzer Beitrag.

Nach der Tour kann ich mich den vielen positiven Stimmen in Reiseführern und im Internet nur anschließen. Die unglaubliche Natur, kompetente Führer und eine tolle Atmosphäre im Dschungel lassen einen immer wieder vergessen wo man eigentlich hinläuft. Ich kann nur noch einmal betonen: Der Weg ist das Ziel.