Medellín und Eje Cafetero – El Territorio Paisa

Medellín und vor allem die nahe gelegene „Eje Cafetero“, das kolumbianische Kaffee – Dreieck, wollte ich schon besuchen, seit ich das erste Mal in einem Reiseführer geblättert habe. Jetzt ist es soweit.

Von Barranquilla nach Medellín braucht man mit dem Bus knapp 14 Stunden. Nachdem ich also mein Zimmer ordentlich übergeben und den tonnenschweren Rucksack geschultert hatte, ging es los. Noch in Barranquilla meinte unser Taxifahrer: „Medellín sollte eigentlich unsere Hauptstadt sein, nicht Bogotá.“ Mit dieser Meinung ist er sicherlich nicht alleine. Immer wenn es um Städte in Kolumbien geht, empfehlen Einheimische zuerst die Hauptstadt Antioquias und nicht die des Landes.

Plaza de Botero.
Plaza de Botero.

Und die meisten behalten recht. Besonders wenn man aus dem eher unansehnlichen Barranquilla kommt, ist Medellín eine Augenweide. Die Stadt füllt einen Talkessel zwischen grünen Bergen und die Wohnviertel, sowohl ärmere als auch reichere, kleben an den Hängen. Mit Recht bezeichnet ganz Kolumbien die Metropole als die modernste des Landes. Eine Straßenbahn schiebt sich durch die Gassen des Zentrums, die wichtigsten Gegenden erreicht man einfach und schnell mit der überirdischen Metro und zu den höher gelegenen Viertel schweben Seilbahnen über die Dächer der Wohngebiete.

Leider kann ich hier nur vom ersten Eindruck sprechen, denn wir hatten ziemlich schnell genug vom hektischen Treiben der Stadt und verabschiedeten uns in ruhigere Gefilde. Schon am zweiten Tag machen wir uns auf den Weg nach Guatapé, ein Touristenort in den Bergen, der vor allem am Wochenende nur so von Ausflüglern aus Medellín wimmelt. Es lohnt sich wirklich auf die „Piedra de Peñol“ zu steigen. 740 Stufen bringen zwar jeden ins Schwitzen, aber die unbeschreibliche Aussicht über die surreale Landschaft des Stausees ist es wert.

Jardín – Bergwelt zum Relaxen

Für jeden der es gerne noch natürlicher und ruhiger hat, ist Jardín im Süden von Medellín eine gute Option. Das Highlight hier: Die „Cueva del Esplendor“, wenigstens steht es so in den meisten Reiseführern und die Rückmeldungen der Leute, die wir im Ort getroffen haben, waren auch überwiegend gut. Allerdings muss man sich für den Treck offiziell einen Führer nehmen, obwohl ich glaube, dass man die Höhle, in die ein 10m hoher Wasserfall fällt, auch ganz gut alleine erreichen könnte, ob man dann rein darf ist eine andere Frage. Wir steuerten laut GPS jedenfalls über zwei Stunden darauf zu und der Weg war recht offensichtlich.

Der zentrale Platz - Treffpunkt der Region.
Der zentrale Platz – Treffpunkt der Region.

Wer aber wie wir keine Lust auf eine geführte Wanderung hat, kann die Bergwelt um Jardín auch ohne Probleme auf eigenen Faust erkunden. Die Touristeninfo verteilt kleine, selbst gezeichnete Karten und weist den Weg zu Aussichtspunkten und Wasserfällen. Abends füllt sich der zentrale Platz des Städtchens und wer sich gerne unter die Einheimischen mischt, findet hier sicherlich einige interessante Gesprächspartner. Wie im wilden Westen stehen hier die Pferde der Campesinos vor den Bars und warten darauf, ihre Besitzer wieder nach Hause zu tragen. Ein Hinweis noch: Das einzige Hostel am Ort befindet sich an der Zufahrtstraße von Medellín. Wer also keine Lust hat wie wir auf der Suche nach einer Bleibe eine Stunde in Jardín umher zu irren, steigt am besten gleich am „Condor de los Andes“ aus.

Kaffee in Salento

Von Jardín aus erreicht man Salento über Pereira. Der Ort ist wahrscheinlich der bekannteste in der „Eje Cafetero“ und am Wochenende oder an Feiertagen wimmelt es hier nicht nur von internationalen Touristen, sondern auch von Ausflüglern aus den Metropolen Kolumbiens. Kein Besuch in dieser Region ist komplett ohne eine geführte Tour auf einer Kaffeefarm. Zu Fuß eine Stunde von Salento entfernt liegt die Finca von „Don Elias“. Auf vier Hektar wird hier Kaffee von feinster Qualität hergestellt, allerdings nicht für den Export oder den Verkauf in kolumbianischen Supermärkten. Wer den Kaffee von „Don Elias“ probieren möchte, muss schon persönlich vorbeikommen.

Kaffeebohnen - noch nicht reif.
Kaffeebohnen – noch nicht reif.

„Don Elias“ selbst empfängt uns mit einem herzlichen Händedruck. Sein runzliges, wettergegerbtes Gesicht zeugt davon, wie viele Stunden er selbst schon auf seiner Farm verbracht hat und strahlt vor Freude angesichts der vielen Leute, die seine Finca besichtigen wollen. Sein Enkel führt uns über die Farm und erklärt uns die einzelnen Schritte der Herstellung. Auf Elias Farm ist alles Bio. Bananen und Ananaspflanzen auf dem Gelände helfen bei der Bekämpfung von Schädlingen. Sie ziehen Insekten an und wirken wie natürliches Repellente (Mückenspray) für den Kaffee. Zusätzlich werden die Pflanzen mit dem Hauseigenen Insektenschutz eingesprüht, ein natürliches Mittel aus Knoblauch und Chili. Auf Elias Farm kommen keine künstlichen Dünger zum Einsatz. Traditionell verwenden sie Kompost. Das Umgraben und verteilen erledigen die vielen Hühner – „unsere besten Mitarbeiter“ – die frei auf der Farm herumlaufen.

Nachdem ein vergleichsweise gut bezahlter Pflücker den Kaffee geerntet hat, wird von Hand sortiert, getrocknet, gewaschen und geröstet. Ein mühsamer Prozess, den natürlich auch Maschinen erledigen könnten, doch auf Elias Finca bleibt alles traditionell. Natürlich dürfen wir am Ende eine Tasse frisch gerösteten und gemahlenen Kaffee probieren. Fazit: Selten habe ich so guten Kaffee probiert.

Salento ist allerdings nicht nur Ausgangspunkt für verschiedene Kaffeetouren, sondern verfügt über das „Valle de Cocora“ auch über einen der wenigen Zugänge zum „Parque Natural Nacional Los Nevados“, einem Nationalpark mit Gipfeln über 5000m der relativ gut erschlossen ist. Dazu mehr im nächsten Blog.

Reisetipps:
  • Medellín erreicht man von jeder größeren Stadt in Kolumbien direkt und bequem mit dem Nachtbus.
  • Guatapé ist ein guter Tagesausflug von Medellín, am Wochenende sollte man sein Busticket für die Rückfahrt allerdings möglicht früh kaufen, da gegen Abend das Chaos an der einzigen Busstation ausbricht. Die Fahrt dauert zwei malerische Stunden.
  • Nach Jardín gibt es direkte Busse vom Terminal del Sur in Medellín.
  • Von Jardín nach Salento muss man über Pereira fahren. Am besten wissen die Busfahrer bescheid. Von Manizales gibt es keine direkten Busse nach Salento!

 

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