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Nicht von dieser Welt – San Pedro de Atacama

Die Gegend um San Pedro de Atacama scheint nicht von dieser Welt und ist absolut sehenswert. Deshalb sollte man meinen, dass die Straßen hier vor Touristen überquellen. Doch die Wüstenstadt schafft es irgendwie, Massen an Besuchern zu schlucken und ihren Charme trotzdem nicht zu verlieren.

Nach unserem angenehm ruhigen Intermezzo im Colca Canyon wollen wir uns den nächsten Touristenhotspot antun: San Pedro de Atacama. Auf dem Weg in die berühmte chilenische Stadt ist mir etwas Bammel, denn ich erwarte schon wieder eine ausgewachsene Touristenfalle. Zum Glück ist dieses Gefühl alles andere als berechtigt.

Die Reise von Arequipa über Tacna und Arica nach San Pedro de Atacama dauert einen Tag und eine Nacht. Glückliche Anschlüsse sorgen dafür, dass man sich nicht in irgendeinem Ort eine Bleibe suchen muss. Obwohl man in Arica, der chilenischen Grenzstadt, sicherlich einen Tag verbringen könnte. Für uns geht es, nach erfolgreicher Überquerung der Grenze, aber sofort weiter Richtung San Pedro. Von Arica in die Wüstenstadt braucht man zwölf Stunden, doch der Nachtbus ist gewohnt bequem (sogar mit langen Beinen) und so kommen wir zwar nicht wirklich ausgeruht, aber auch nicht ganz zerstört, an.

Das Schöne an San Pedro: Es ist wirklich überschaubar. Wir laufen keine 15 Minuten und stehen vor dem Eingang unseres Hostels. Schon auf dem Weg dorthin fallen uns zwei Dinge auf: Die durchweg friedlichen Hunde – auch wenn ein Männchen unsere Rucksäcke als sein Revier markiert – und die Tatsache, dass es nicht so voll ist, wie befürchtet. Mit Tourveranstaltern, die einem auf die Nerven gehen, war zu rechnen. Ansonsten sind die Straßen aber eher ruhig und versprühen den betörenden Charme einer Kleinstadt, in der die Welt noch in Ordnung ist.

Das angeblich wirklich zu empfehlende Museum des Ortes ist zwar ein verfallenes Gebäude und auf Nachfrage erklärt die Touristeninfo nur: „Sie bauen ein Neues.“ Wo, wann und wie scheint hier aber keiner zu wissen und wieso das Alte wegmusste, sowieso nicht. Ansonsten gibt es in San Pedro nicht viel zu tun. Natürlich sind die Straßen voller Restaurants und Cafés, die abends um jeden einzelnen Kunden kämpfen. Was fehlt sind allerdings die anderswo allgegenwärtigen ambulanten Verkäufer und semilegalen Touren – Dealer auf der Straße. Sehr angenehm! Ein bisschen Touriangebot, vor allem wenn es um Exkursionen und das leibliche Wohl geht, ist ja auch gar nicht so schlecht.

Die Stadt ist hier aber nicht das Highlight. Die Leute kommen für die unglaublichen und sehr bizarren Landschaften in der Atacamawüste und der umliegenden Bergwelt. Der beste Weg, die Umgebung zu erkunden ist auf eigene Faust und mit eigener Kraft. An jeder Ecke in San Pedros Zentrum findet man Fahrradverleihe, die Räder in verschiedener Qualität und zu unterschiedlichen Preisen anbieten. Zusätzlich bekommt man natürlich Tourentipps und wenig genaue Karten, die aber durchaus hilfreich sein können.

Teufelsschlucht auf Mountainbikes

Wir machen uns auf in den Cantabre Canyon. Das eigentliche Ziel: Die „Garganta de Diablo“, ein Schluchtensystem, das wirkt wie aus einem Western. Auf unseren ordentlichen Mountainbikes sind wir auch relativ flott unterwegs und verpassen prompt den Abzweig. Bis fast ans Ende des Canyons arbeiten wir uns vor, ohne irgendwo ein Schild in die gewünschte Richtung zu sehen.

Garganta del Diablo.
Garganta del Diablo.

Kein Wunder, wir sind ja auch schon viel zu weit. Irgendwann treffen wir glücklicherweise auf einen einsamen Bauarbeiter und sein Fahrzeug. Über den Baggerlärm schreit er uns zu: „Hier ist jetzt dann Schluss, eure Schlucht ist drei Kilometer weiter vorne.“ Rückwärtsgang also, doch es lohnt sich. Teilweise meint man in der „Garganta del Diablo“ gegen eine Wand zu fahren, doch der Weg schlängelt sich immer weiter durch enge Spalten und über Felsen. Man versteht, wie die Einheimischen darauf gekommen sind, diesen Ort „Teufelsgurgel“ zu nennen.

Der zweite Teil der Tour führt uns auf das Hochplateau über dem Canyon. Oben angekommen erwartet uns ein unglaublicher Ausblick auf das „Valle de la Muerte.“ Irgendwo in der Stadt habe ich aufgeschnappt, dass der Name eigentlich „Mars Tal“ sein sollte. Linguistische Missverständnisse haben aus diesem sehr passenden Namen dann das „Todes Tal“ gemacht. Man bekommt hier wirklich das Gefühl, auf dem roten Planeten unterwegs zu sein. Vergleichbares habe ich noch nie gesehen. Kein Baum, kein Grün, kein Wasser. Nur eine rotbraune, sandige Ebene, die in ihrer Einsamkeit irgendwie bedrohlich wirkt. Beruhigender ist der Blick Richtung San Pedro, ein grüner Fleck in der endlosen Wüste.

Mit dem Fahrrad auf den Mond

Etwas müde kommen wir nach fünf Stunden wieder im Ort an, doch der Tag ist noch nicht vorbei. Nach einem leckeren, dringend nötigen Mittagessen tauschen wir unsere offroad Drahtesel gegen leichtere Trekkingräder und machen uns auf den Weg ins „Valle de la Luna.“ 15km strampeln wir erst entlang der Straße und dann auf einer Schotterpiste. Immer wieder überholen uns Vans voller Ausflügler, die wie wir den Sonnenuntergang auf einer der höchsten Dünen der Region sehen wollen. Sogar Reisebusse sind unterwegs und spucken ihre Passagiere an den schönsten Stellen im Tal aus. Ich bin trotzdem froh, dass wir auf dem Fahrrad unterwegs sind. Kein Zeitplan, kein voller Bus und vor allem keine Touristen. Dafür, uns das komplette Tal anzusehen, haben wir leider keine Zeit mehr. Doch schon allein der Sonnenuntergang auf der „Duña Grande“ war es wert, sich noch einmal auf das Rad zu schwingen. Das „Valle de la Luna“ ist ein Must See in San Pedro. Die Fotos sprechen denke ich für sich.

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Auch nicht von dieser Welt: Geysers del Tatio
El Tatio.
El Tatio.

Für unseren letzten Tag in San Pedro haben wir doch noch einmal eine Tour gebucht. Um 4:00 morgens holt uns ein Kleinbus am Hostel ab und es geht zu den „El Tatio“ Geysiren. Nach 1,5 Stunden Fahrt bis in den Vulkankrater auf 4280m über dem Meeresspiegel, steigen wir aus dem Bus. Eisige Temperaturen unter dem Gefrierpunkt vertreiben auch die letzte Müdigkeit und wieder fühlen wir uns wie auf einem anderen Planeten. Über 40 unterschiedlich große Geysire dampfen in dem drittgrößten geothermischen Feld der Erde in den Himmel. In unterschiedlichen Abständen schießt Wasser in die Höhe. Manche Fontänen werden bis zu 3 Metern hoch, erklärt unser Guide. Während langsam die Sonne aufgeht wandern wir zwischen den brodelnden Löchern herum. Selten habe ich so beeindruckende Fotos geschossen. Einer der größten Geysire trägt den klangvollen Namen „Asasino“, also Mörder, da er schon mehrere neugierige Touristen geschluckt hat. Mittlerweile hat die Parkverwaltung aber Mauern gezogen und es ist absolut sicher, auf dem Feld herumzuwandern.

Die Tour zu den „Geysers de Tatio“ ist nicht wirklich billig. Schon für Guide, Transport und Frühstück blättert man gut 40€ auf den Tisch. Hinzukommt der Eintritt, den die Parkverwaltung von jedem Besucher verlangt. 10.000 Peso, also ungefähr 14€ werden veranschlagt. Immerhin schmeckt das Frühstück, das die Guides aus den Kofferräumen der Busse servieren und auf dem Rückweg lernt man einiges über die Tiere, die in diesem Teil der Anden unterwegs sind. Immer wieder stoppt unser Guide um uns Vicuñas, wilde Alpacas, zu zeigen. Außerdem laufen wir an einer Lagune entlang, beobachten die Vögel, die den Bedingungen hier das ganze Jahr trotzen und genießen den unglaublichen Blick über die blau leuchtende See bis zu dem letzten aktiven Vulkan im Hintergrund. Die Tour lohnt sich also in jedem Fall und es ist durchaus sinnvoll, etwas mehr zu bezahlen, aber dafür in einem bequemen Auto mit weniger Leuten unterwegs zu sein.

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Wer es irgendwie Einrichten kann, sollte sich die Reise nach San Pedro de Atacama gönnen. Der Ort in der Wüste wird von fast jeder größeren Stadt in Chile direkt angesteuert und auch die Weiterreise ist einfach. Fast jeden Tag fährt ein Bus Richtung argentinische Grenze und weiter nach Salta oder San Salvador de Jujuy. Alternativ dreht man unsere Route um und macht sich über Nacht auf den Weg nach Arica. Peru ist dann nur noch eine kurze Taxifahrt entfernt. Alles in allem lohnt sich die Reise nach San Pedro. In jedem Fall!