Semana Santa in Santander – Kolumbien (8)

Über die Semana Santa wollten wir eigentlich in den Nationalpark „El Cocuy“. Warum das nicht geklappt hat und wo ich stattdessen gelandet bin? Ein Beitrag aus den Bergen in Santander.

Schon auf der Fahrt von Bucaramanga nach San Gil im kolumbianischen Nordosten, geht Bergfreunden wie mir das Herz auf. Gipfel und Bergketten soweit das Auge reicht und der Ausblick, nachdem man sich den tiefen Chicamocha Canion hochgearbeitet hat, ist atemberaubend. Nach 12 Stunden Busfahrt über Nacht von Baranquilla nach Bucaramanga sind wir jetzt endlich auf dem Weg in die Berge. Eigentliches Ziel: Der Nationalpark „El Cocuy“, von dem uns allerdings mindestens nochmal 12 Busstunden trennen. Das liegt allerdings nicht an der Distanz, sondern an der Tatsache, dass die Straßen, die zu dem zwischen 4000 und 5000 Höhenmetern gelegenen Park schon auf der Karte eher wie Darmwindungen und weniger wie befahrbare Wege aussehen.

Zuerst arbeiten wir uns aber nach San Gil vor. Die Kleinstadt südlich von Bucaramanga ist vor allem für Extremsport bekannt. Bungeejumping, Paragliding, Rafting. Hier findet man all das und mehr. Im schönen und vergleichsweise günstigen „Papillon“ Hostel buchen wir Rafting, ohne die Veranstalter wirklich zu vergleichen. Damit es nicht langweilig wird, suchen wir uns natürlich die Tour aus, die die meiste Action verspricht. Schwierigkeitsstufe vier bis fünf sagt man mir. Damit kann zwar keiner von uns wirklich etwas anfangen, klingt aber gut.

Authentisch – Kolumbianisch

Am nächsten Tag holen uns zwei Junge Kerle im Hostel ab und fahren uns in einem klapprigen Kleinbus zu der Firma, bei der wir unser Abenteuer anscheinend gebucht haben. Nachdem wir unterschrieben haben, selbst für uns und unser Wohlbefinden verantwortlich zu sein, geht es mit unseren beiden Guides (22 und 26 Jahre alt) auch schon Richtung Fluss. Auf einen erfahren aussehenden Guide oder mehr Teilnehmer hoffe ich vergeblich. Trotz anfänglicher Skepsis, wird die Tour ein voller Erfolg, wenn man mal von der einen Situation absieht, bei der zwei von uns unter dem Boot gefangen waren. Ich kenne mich zu wenig mit Walzen und Kehren aus, um zu wissen, ob wir wirklich in Gefahr waren, unsere Guides versichern uns aber natürlich, dass alles im grünen Bereich gewesen sei. Zusätzlich sollte man wohl von der Tatsache absehen, dass unser Fahrer sturzbetrunken ist, als wir an der Stelle ankommen, an der er uns abholen soll. Immerhin sind unsere Freunde so geistesgegenwärtig, dass sie ihn nicht zurück nach San Gil fahren lassen und wir kommen sicher in unserem Hostel an. Im Nachhinein scheint mir das Ganze eine sehr authentisch – kolumbianische Erfahrung gewesen zu sein.

Doch San Gil hat noch mehr zu bieten. Während meine beiden Begleiterinnen paragliden und eine sich an einem Seil aus 55 Metern Höhe stürzt, halte ich es ruhiger. Ich fahre nach Cabrera, ein kolumbianisches Bergdörfchen, wie es stereotypischer nicht sein könnte. Hier gibt es im wahrsten Sinne des Wortes Nichts und als ich nach einer Fruteria frage, die witziger Weise neben dem Eingang des lokalen Friseurs beworben wird, lande ich im Wohnzimmer eines sehr zuvorkommenden Kolumbianers. Einen Obstsalat mit Cornflakes, süßer Kondensmilch und geriebenem Käse (ich konnte nicht schnell genug intervenieren) später, geht es zu Fuß Richtung Barichara. Die Tour in die wunderschöne Touristenfalle ist zwar heiß und anstrengend, bietet aber ein paar tolle Ausblicke.

Bergparadies in Villa de Leyva

Nach ein paar Tagen in San Gil ziehen wir weiter. Eigentlich sollte es ja in den Nationalpark „El Cocuy“ gehen, allerdings blockieren die Indigenen, die in dem Park leben, die Zufahrtsstraßen. Sie fürchten um ihre Frischwasserreserven und wollen verhindern, dass ihr Lebensraum von Touristen zerstört wird. Mit Sicherheit ist es nicht verkehrt, von der Regierung mehr Regulation und eine bessere Überwachung des Naturschutzgebiets zu fordern, allerdings kostet der Streik während der Semana Santa vielen Millionen Pesos, da fast 85 % der Urlauber ausbleiben. Zum informiert man uns, bevor wir den beschwerlichen Weg auf uns nehmen.

Deshalb fahren wir über Tunja nach Villa de Leyva, ein weiteres Touristendörfchen in den Bergen. Hier kann man mit dem Rad die Gegend erkunden, im Dorf richtig lecker essen gehen, bis der Geldbeutel leer ist „Artesanias“ shoppen und vor allem den nahegelegenen Nationalpark besuchen.Der etwa zwei stündige Fußmarsch und die zwei Euro Eintritt (für Studenten) für das „Santuario de Iguaque“ lohnen sich in jedem Fall. Nicht nur die Aussicht ist Atemberauben, sondern auch die Lagune zwischen felsig grünen Gipfeln wirklich sehenswert. Die Gipfel der Bergkette sind dort auf 3600 Metern wirklich zum Greifen nah und ich will weitergehen, aber leider scheitere ich schnell an den Rangern, die das Naturschutzgebiet überwachen. Freundlich aber bestimmt werde ich wieder bergab komplementiert, allerdings nicht ohne vorher noch einige tolle Fotos von der Lagune zu schießen.

Insgesamt ist die Region Santander in Kolumbien in jedem Fall eine Reise wert. Nicht nur ausländische Touristen tummeln sich in den Gassen von Barichara, San Gil und Villa de Leyva, sondern auch viele Kolumbianer kommen in die Gegend, um Urlaub zu machen. Auch das Klima ist hier um einiges erträglicher, als in Baranquilla, oder allgemein an der Karibikküste. Es schmerzt fast, die ruhige Berggegend zu verlassen und zurück in die hektische Stadt zu fahren.

 

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